Hamburg–Mord zwischen Orient und Okzident
Mord in St. Georg. Der Tod der jungen Türkin Ayla Özdemir wirft gleich mehrere Fragen auf: Steckt ein sogenannter Ehrenmord dahinter, handelte Aylas Ehemann aus Eifersucht auf ihren deutschen Liebhaber oder sind fundamentalistische Islamisten für den Mord verantwortlich? Gefangen im Netz eines dramatischen Konflikts zwischen Christentum und Islam begibt sich Kriminalhauptkommissar Werner Danzik auf Spurensuche – dann hält ihn auch noch ein mysteriöser Entführungsfall in Atem. Knapp zwei Monate vor dem offiziellen Erscheinungsterin ihres neuen Krimis "Mord unter dem Halbmond" lädt die Erfolgsautorin Monika Buttler zur Lesung (hpksr).
Hamburger Abendblatt v. 17./18. 4. 2010
Buchtipp – Tatort Hamburg: Krimi der Extraklasse – unbedingt lesen!
Mord im Hamburger Rotlichtviertel St. Georg. Die Tote trägt das Mantelkleid einer Muslima, darunter Ledermini und Stiefel, in ihrer Handtasche ein Kreuz. Kommissar Danziks Kollege Tügel denkt sofort an Ehrenmord, doch die Liste der Verdächtigen ist lang und facettenreich: vom Noch-Ehemann über den Liebhaber, Familie, Chefin, Terrorzelle bis zur Pfarrersfrau.
Danziks Ermittlungen sind vor allem ein Kampf gegen Klischees. Die der anderen und die eigenen. Er trifft auf pauschalierende Gutmenschen ("Berechenbar werden Orientalen nie sein. Aber sie sind so liebenswürdig"), ultraorthodoxe Konvertiten, rigide Abschiebepraxis, ertappt sich selbst dabei, dass er gar nicht auf die Idee kommt, der seit 40 Jahren in Hamburg lebende iranische Teppichkaufmann könne die deutsche Staatsangehörigkeit haben, und seine Freundin Laura tritt nach dem Besuch der Vernissage ihrer Freundin spontan einem christlichen Fundamentalistenclub bei. Ist ihr ursprüngliches Motiv die Auflage des Senators, die Bilder der Ausstellung "Nacktheit zwischen Natur und Kultur" an den markanten Stellen mit Balken zu überkleben, ist ihr Bleiben eher dem Charisma des Oberfundis zu verdanken. Dass sie dabei mehr riskiert, als ihre Beziehung, erkennt sie zu spät.
Spannung ist garantiert bei Monika Buttler. Ihr prägnanter Stil macht die Lektüre zu einem echten Genuss. Jeder Satz, jedes Wort ein Treffer. Knapp, klar und präzise entlarvt sie nicht nur den Täter, sondern auch die Tatsache, dass die Gefahr für unsere Demokratie weniger von der vemeintlichen äußeren Bedrohung ausgeht, als von dem Verlust der Fähigkeit hinzusehen, wahrzunehmen, zu differenzieren, nachzufragen, statt reflexartig ein Etikett aufzukleben und es bei Bedarf ebenso reflexartig zu überkleben. Ein hochspannender Krimi und ein Plädoyer für die Nuancen zwischen "Gottes heiliger Pfeil" und "Rettet das Abendland".
www.storysite.de - Susanne Henke - nur die Feder war Zeuge
„Ein aktuelles Thema mit viel Engagement aufgespürt, schlüssig den Fall entwickelt, mit wunderbaren Formulierungen.“ Alexandra Guggenheim, Autorin
„Gespür für beklemmende Szenen und genau beobachtete Figuren."
Kölnische Rundschau






